Vanik im Freizeitpark - Ein Erfahrungsbericht!

Am 26.05.2016 war es wieder mal so weit: Vanik scharte Familie und Freunde um sich, um einen gemeinsamen Ausflug in einen Freizeitpark in der Nähe zu machen. Mit sorgfältig ausgewählten Begleitern näherte er sich dem Eingang, beobachtete bereits – eifrig den inneren Notizblock füllend – die Leute, die ebenfalls darauf warteten, wie Mastvieh durch die Gassen des Eingangshäuschens ins Innere des Parks – bedienen wir uns an dieser Stelle des Terminus' Melkmaschine – gedrückt, gestoßen, gedrängt zu werden...

Schon jetzt ließen sich die üblichen Verdächtigen ausmachen, wie sie auch häufig in Badeanstalten, Zoos und dergleichen anzutreffen sind. An dieser Stelle sollen einfach mal ein paar davon genannt werden:

 

  • Die alleinerziehende Mutter: Sie ist fest davon überzeugt, ihrem Kind trotz aller Widrigkeiten alles bieten zu müssen und zu können, was es zum Glücklichsein braucht. Grenzen sind hierbei als unpopuläre Relikte vergangener Tage anzusehen. Diese Mütter weichen ganz gerne dem Blick ihrer Mitmenschen aus, wenn ihr Alpha-Kevin mal wieder zu Hochform aufläuft und beweist, warum man vaterlose Kinder in unserer Zeit gerne Bastarde nennt (denn welche Rolle spielt überhaupt noch die Ehelichkeit?), beziehungsweise, wieso dieser Begriff sich so hartnäckig als Schimpfwort hält. Sie könnten einem leid tun, aber man geht ja in so einen Park, um sich zu amüsieren. Also weiter.

     

  • Die fette Stinkerin: Diese Spezies ist fett und stinkt. Wer hätte es geahnt? Zudem ist sie matriarchalisch organisiert. An strategisch wichtigen Punkten im Park – nämlich in langen Warteschlangen – platziert die fette Stinkerin gerne eins von den Kindern, die ihr die Figur versaut haben (so zumindest die Stinkerin. Studien ergaben, dass hier auch jede Menge Schokolade eine Rolle spielt). Kurz bevor das Kind an der Reihe ist, wuchtet sie ihren massigen, nach einem chemischen Kampfstoff duftenden Leib ohne Rücksicht auf ihre Mitmenschen bis zu ihrem Spross. Hierbei entwickelt sie übrigens eine Geschwindigkeit, zu der sie ansonsten nur beim Essen fähig ist und verhindert so, während der Ausübung dieses gleichermaßen unverschämten wie ekelhaften Manövers angesprochen zu werden. Frech, einfach nur frech …

     

  • Der fette Stinker: Es gibt selbstverständlich auch ein männliches Pendant zur fetten Stinkerin. Dieser zeigt jedoch ein ganz anderes Verhalten als diese. Zum Beispiel trägt er seine kulinarische Promiskuität viel deutlicher zur Schau, denn ihm ist diese nicht peinlich. Er neigt dazu, seinen Stolz, seine Männlichkeit und seinen enormen Bauch offen zur Schau zu tragen. Gewaltige Schweißflecken umrahmen sehr häufig einen grenzdebilen T-Shirt-Spruch oder ein Bandlogo. Er gibt entweder in zu hoher Lautstärke seinen Humor (oder was er dafür hält) zum Besten, oder er schleicht stumm und etwas devot einer Frau hinterher, die definitiv zu hübsch für ihn ist.

    Dies ist aber oft nicht klar definierbar, da er sich in eher engen Abständen dem kulinarischen Angebot seiner Umgebung widmet und dann auch tatsächlich hierauf konzentriert ist.

     

  • Die Leuchtturmin: Diese Spezies treibt sich gerne irgendwo im Park herum und vertraut auf (welchen auch immer) Gott, dass ihre Kinder sie wieder finden. Also vergnügt sie sich und leuchtet mal so vor sich hin, um immer argumentieren zu können: Ich war doch da (bei denen vor einer Sprachbarriere lautet die Antwort zumindest so – bei jenen dahinter lässt sich dies nur erahnen). Wenn man ein solches Wesen in freier Wildbahn beobachten möchte, hält man am besten einfach nach verwirrten, laut weinend umher irrenden Kindern Ausschau. Irgendwann docken sie dann an ein Muttertier an, welches sogleich einen sorgsam einstudierten überraschten Gesichtsausdruck zum Besten gibt und das nervige Balg anschließend sofort wieder ignoriert.

  • Der Nörgler: Diese Leute sind häufig männlich und regen sich andauernd über den schlechten Service der Parkmitarbeiter, die Qualität des kulinarischen Angebots und natürlich die anderen Gäste auf. Besonders dreiste Nörgler kategorisieren die Gästetypen sogar regelrecht, um sich so besser über sie lustig machen zu können. Dabei ziehen sie natürlich nie die Möglichkeit in Erwägung, selbst zu den nervigen Besuchern gehören zu können.

    Sie wissen alles besser, sind attraktiver, scharfsinniger und vor allem natürlich unglaublich viel cooler als die anderen Gäste – ob kategorisierbar oder nicht. Das Allerschlimmste daran ist: Sie wissen das auch noch!

 

 

Es gibt natürlich noch eine vielzahl weiterer Gästetypen, die einem den schönsten Ausflug zur Tortur werden lassen können, aber dieser grobe Überblick sollte für den Moment ausreichen.

Aber genug zu den Gästen und zurück zum Besuch. Erst einmal war unsere Freude groß, die Karten bereits zu besitzen, denn so konnten wir die endlosen Schlangen an den Kassen umgehen. Eine der Karten war jedoch eine Freikarte und die muss, richtig: An der Kasse gegen eine reguläre Karte eingetauscht werden. Nun gut, Regeln sind Regeln.

Aber nicht für jeden, wie es scheint. Eine kleine Familie mit anderem kulturellen Hintergrund (oder wie sagt man jetzt zu denen mit dem Kopftuch?) wird – sie haben das gleiche „Problem“ mit der Freikarte - durch den Personaleingang geschleust, wobei das Mitglied von unserer Gruppe anstehen darf. Hm, seltsam. Aber egal.

Also stürzen wir uns in die Menschenmassen. Ein Bollerwagen lässt sich natürlich nicht mehr ergattern und ein Schließfach, dass gerade mal groß genug wäre, ein zusammengefaltetes Neugeborenes zu fassen, kostet schon ein kleines Vermögen. Nein danke, weiter geht es.

Die Schlangen an den Fahrgeschäften sind gewaltig. Was wagen es diese ganzen Penner auch, gleich in den Freizeitpark zu fahren, nur weil es zu der Zeit sehr günstige Aktionen für Eintrittskarten gibt, Feiertag ist und das Wetter nicht besser sein könnte? Also bitte: Wer kommt denn auf die gleiche Idee, wie die leidgeprüfte Gruppe um Vanik, also uns Schlauberger?

Sich von Schatten zu Schatten hangelnd und etwas kürzere Warteschlangen ausspähend, schaffen wir es schließlich, das eine oder andere Fahrgeschäft zu nutzen. Die Suche nach einer brauchbaren Tasse Kaffee endet recht schnell und dazu erfolgreich. Dass der Preis etwa dem eines gebrauchten Kleinwagens entspricht, lassen wir mal außer acht. Also weiter. Die Jüngsten der Gruppe führen ein hartes Terrorregime und lotsen uns erschöpfte Erwachsene so von einer todlangweiligen Attraktion zur anderen. Wir Männer (und Väter) wachen mit Argusaugen über unsere Prinzessinnen und warten nur darauf, dass irgendein kackdreister Drängler sich auf fünfzig Meter unseren Goldstücken nähert. Wie das aber immer so ist, wenn man auf ein Ventil für seine Gewaltbereitschaft wartet, beobachtet man überall um sich herum die oben genannten Gästetypen und weitere Minoritäten, die sich benehmen wie Untermenschen, doch kommt keiner auf die Idee, einen aus der eigenen Gruppe auch nur schräg anzusehen. Na gut, dann müssen wir uns eben anderweitig abreagieren. Achterbahn ist gut. Nach endlosem Anstehen sitzt man endlich in dem Wagen und wartet, dass einem der Fahrtwind die Mundwinkel am Hinterkopf zusammen tackert. Dann kommt der Sicherheitsinspektor, rüttelt am Gurt, drückt den Haltebügel runter, etc. und sagt allen ernstes: „Das Kopftuch muss runter! Es könnte weg fliegen“

 

WAS? WEG FLIEGEN??? Dieses Kopftuch wurde mit starken, männlichen Händen gebunden und geknotet. Die lächerlichen 200+ km/h lassen dieses Kopftuch nicht mal flattern! Außerdem waren auf dem Schild Mützen und keine Kopftücher. Die Fahrt dauert nicht gerade lange … bei einer Achterbahn ist das aber definitiv verzeihlich, will ich meinen. Noch ein wenig berauscht stolpern wir weiter.

Mittlerweile übersteigt unser Hunger jeglichen bereits angestauten Groll, also auf zur Futtersuche. Angebote gibt es in Hülle und Fülle. Also schauen wir mal:

Eklig, widerlich, ausverkauft, schon geschlossen, noch ekliger, ach was solls – dann probieren wir eben das hier.

Eine junge, attraktive Frau empfängt jeden Gast heroisch lächelnd und zeigt sich bereit, die Bestellung aufzunehmen. Ein Mal drei und ein Mal zwei Gerichte. Sollte schaffbar sein. Wartezeit?

Höchstens zehn Minuten.“ Was für eine nette Frau.

Zwanzig Minuten später erkundigen wir uns vorsichtig nach dem Verbleib des Essens und erleben, wie ein anderer Gast gerade aufgrund der Wartezeit storniert. Meine Lieblingsbedienung meistert auch das lächelnd, kackt anschließend aber direkt ihre Kollegen in der Küche an, was das soll. Na, recht hat sie. Ich bestelle etwas minimal um: „Gar kein Problem“, sagt die Bedienung und gibt es direkt weiter – das kriege ich sogar mit.

 

Doch ein Problem, sage ich, als ich mein Essen sehe. Enthaupte ich nun das arme Mädchen, oder nehme ich mein Essen so mit. Kurz Dampf ablassen, dann wieder rein und stornieren. Das ist die einzige Möglichkeit. Also gehe ich wieder rein und teile der geplagten Servicekraft mit, dass das Essen zurück geht. Sie meistert auch meine Reklamation mit einem entschuldigenden Lächeln und der anstandslosen Rücknahme des defizitären Gerichtes. Sie gibt die Beschwerde an die Küche weiter und erhält lediglich eine intellektuell fragwürdige Antwort von den Menschen, die nachweislich Eines nach dem Anderen verbocken. Armes Mädchen. Der Hunger war dennoch da, also schnappte ich mir bei einem nahen Imbiss das letzte Stück Fleisch und ging stolz mit meiner Beute zurück zum Tisch. Dort empfängt mich mein Leidensgenosse (er aß das gleiche, das ich ursprünglich auch bestellt hatte) mit den Worten: „Du verpasst nichts!“ Ich verstehe ganz und gar, was er meint, als ich in mein „Fleisch“ beiße. Konsistenz, Geschmack und Umfang der Portion stehen in einem so krassen Missverhältnis zum Preis, dass ich genauso gut in eine Telekom-Aktie beißen könnte!

Fassen wir zusammen:

 

  • Der Service ist beschissen, was gerade die abkriegen, die versuchen, die Fackel hoch zu halten.

  • Der Park ist total überfüllt.

  • Es ist Sonnenbrand-Heiß.

  • Ich ärgere mich mit sehr vielen sehr unangenehmen Menschen herum.

  • Das alles summiert sich während ich in einer Warteschlange nach der Anderen stehe.

  • Ich ärgere mich darüber, hierfür insgesamt zwei Stunden Auto zu fahren.

  • Das Essen beleidigt jeden einzelnen Teil meines Verdauungsapparates – auf unflätige Weise!

  • Und … und … und … doch werde ich in gar nicht so ferner Zukunft wieder hinfahren und mich darauf freuen. Ich frage mich gerade, wer in diesem Szenario der größte Idiot ist … Ach was – ich bin Künstler!

     

    Beste Grüße

    Vanik

Kommentar schreiben

Kommentare: 0