Nur ein Lächeln


Vanik 04 / 16


Das Lächeln

 

Lasset mich euch heut erzählen

Wie ich einst hab müssen wählen

Ob ich glaube, was ich sehe

Ich konnt es nie mehr vergessen

Von der Sache, ich gestehe

Bin ich heute noch besessen

Sein Gesicht zeigt nur ein Lächeln

 

Auf dem Platz wo Weiber waschen

Burschen einen Blick erhaschen

Auf die pralle Pracht der Damen

Händler Waren präsentieren

Speis und Trank und Blumensamen

Würde er umher flanieren

Sein Gesicht zeigt nur ein Lächeln

 

Wie ein eleganter Herr, der

Schaut die einfach Leut' stolziert er

Lässt die braven Bürger starren

Mustern ihn nun ganz ausführlich

Voll Erwartung lange harren

Er hält das wohl für gebührlich

Sein Gesicht zeigt nur ein Lächeln

 

Er lässt seinen Blick nun schweifen

Nicht im Stande zu begreifen

Was sein Zweck ist auf der Erde

Er verneigt sich tief und denkt sich

Dass sein Plan zur Tat nun werde

Was gleich kommt ist unumgänglich

Sein Gesicht zeigt nur ein Lächeln

 

Dann kommt die fatale Wende

Er zieht Messer, ganz behände

Eifrig Pirouetten drehend

Auch die Klingen tanzten heiter

Hüpfend, springend, niemals stehend

Stechend, schneidend, immer weiter

Sein Gesicht zeigt nur ein Lächeln

 

Menschen sterben, fallen nieder

Blutbefleckt und immer wieder

Flehen manche um ihr Leben

Schreien sie hinaus die Qualen

Was ist nur des Mörders Streben?

Wofür müssen sie bezahlen?

Sein Gesicht zeigt nur ein Lächeln

 

Endlich ist der Tanz geschehen

Und der Mörder bleibt nur stehen

Er lässt seine Waffen fallen

Eingerahmt von toten Leuten

Steht er schweigend – Schritte hallen

Wachen, die jetzt auf ihn deuten

Sein Gesicht zeigt nur ein Lächeln

 

Schnell sind seine Händ' gebunden

Er im Kerker, unumwunden

Die noch Leben sind erschüttert

Wünschen ihm den Tod in Bälde

Dass er hoch am Galgen zittert

Er verscharrt wird auf dem Felde

Sein Gesicht zeigt nur ein Lächeln

 

Hoch auf seine letzte Bühne

Steigt er um zu leisten Sühne

Ist bereit den Strang zu kriegen

Um den Hals, den er soll brechen

Die Gerechtigkeit wird siegen

Dies wird all die Toten rächen

Sein Gesicht zeigt nur ein Lächeln

 

Nun ist seine Zeit gekommen

Zu empfangen von dem frommen

Gottesmann die letzten Worte

Trauervoll spricht der von Sünde

kündet von dem einen Orte

Wo die Seelenwage stünde

Sein Gesicht zeigt nur ein Lächeln

 

Doch der Priester springt nach vorne

Schreit und zetert, flucht im Zorne

Mörder! Bestie! Ungeheuer!

Dämon! Unhold! Monster! Satan!

Du sollst schmor'n im Höllenfeuer!

Komme nie mehr wieder, fortan!

Sein Gesicht zeigt nur ein Lächeln

 

Nun des Mannes letzte Stunde

Ist gekommen und im Grunde

Weiß er, was wird nun geschehen

Er blickt in des Henkers Augen

Gleich wird seine Seele gehen

Was soll dieser Tod schon taugen?

Sein Gesicht zeigt nur ein Lächeln

 

Endlich öffnet sich die Falltür

Und der Mörder tanzt die Schlusskür

Seine Taten waren feige

Und es dauert bis er tot ist

Langsam geht die Luft zur Neige

Seelenruh' als sich der Sarg schließt

Sein Gesicht zeigt nur ein Lächeln

 

Die Erinnerung wiegt schwer noch

Als die Kiste sinkt ins Erdloch

Spricht der Priester einen Segen

Doch die Seel' ist längst entflohen

Nun ist er dem Fluch erlegen

Es wird neues Unheil drohen

Sein Gesicht zeigt nur ein Lächeln

 

Bald wird es beginnen wieder

Seine Quest ist nun luzider

Und die Tat wird noch perfider

Leben ist ihm so zuwider

Sein Gesicht zeigt nur ein Lächeln

 

Und auch meins zeigt bald ein Lächeln